1984: Blick von Zarenthin Ausbau 4 in Richtung Ausbau 3 sowie Blick in Richtung Dorfstrasse 20

 

Die Eieraufkaufstelle – Zwischen Naturalien, Bargeld und Quasselbude

 

Auch in Zarenthin gab es über viele Jahre hinweg eine Eieraufkaufstelle – ein wichtiger Ort für viele Familien, vor allem für diejenigen mit eigener Hühnerhaltung. Lange Zeit wurde diese Stelle von Frau Babbel geführt, die mit großem Pflichtbewusstsein und einem offenen Ohr für die Leute das Geschäft betrieb.

 

Die geputzten und gestempelten Eier wurden bei ihr abgegeben – und im Gegenzug gab es Bargeld und einen Naturalienanteil, meist in Form von Getreide. Die Umrechnung war klar geregelt: Für sieben Eier bekam man ein Kilo Korn. Und wer z. B. 100 Eier lieferte, konnte sich mit dem Bargeld im Konsum durchaus großzügig eindecken.

 

Meine Eltern hielten rund 100 Hühner, und so wurde regelmäßig – meist einmal pro Woche – eine ordentliche Portion Eier abgeliefert. Auch ich übernahm diese Aufgabe schon früh. In den 60er-Jahren fuhr ich mit einem Korb voller Eier einhändig per Fahrrad zu Frau Babbel. Wer Pech hatte, musste warten – denn ihre Eierbude war nicht nur Verkaufsstelle, sondern auch Kommunikationszentrum. Man könnte auch sagen: eine echte Quasselbude.

 

Mit 14 Jahren hatte ich dann meinen Mopedschein – und natürlich wurde die Eierlieferung damit zum Abenteuer. Eine Hand am Gas, die andere fest am Eierkorb. Leider war die Dorfstraße frisch geschleppt (einen festen Belag gab es damals noch nicht), ich geriet in eine Spurrinne – und der unvermeidliche Sturz kam. Rund ein Drittel der Eier war noch zu gebrauchen, die Lieferung musste aufgeschoben werden. Eine Lektion in Gleichgewicht und Geduld!

 

Nach Frau Babbels Zeit übernahm schließlich unser Vater selbst die Eieraufkaufstelle, und zwar in der ehemaligen Wohnung von Frau Fiedler. So blieb dieser kleine, aber wichtige Teil des dörflichen Wirtschaftskreislaufs noch einige Jahre weiter bestehen.

 

Quelle: Erhard Rensch

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