1915: Der Gasthof Bock (Bild von einer Postkarte).
Die Gaststätte Willi Bock – ein Stück Dorfgeschichte
Die Gaststätte Willi Bock, später bekannt unter dem Namen Ullrich, war über viele Jahrzehnte hinweg nicht nur ein Ort für Bier, Brause und gute Gespräche – sie war das Herz des Dorfes. Wer etwas erleben, feiern oder einfach Neuigkeiten austauschen wollte, kam hierher.
Besonders kurios: In der Gaststätte befand sich einst das einzige Telefon im Ort. Ein kleines Schild mit der Aufschrift „Öffentlicher Fernsprecher“ wies außen an der Kneipentür darauf hin – ein Fenster zur Welt, mitten im Dorf.
Drinnen wurde natürlich auch gefeiert – mit einer Handvoll treuer Stammgäste fast täglich, mit der ganzen Dorfgemeinschaft zu besonderen Anlässen: Hochzeiten, Beerdigungsfeiern (bei uns liebevoll „Fell versaufen“ genannt), Skatturniere, Versammlungen verschiedenster Art und natürlich Himmelfahrt & Co. – kein Ereignis, das nicht in der „Bocke“ zelebriert wurde.
Ein Highlight für viele war das Skatturnier, bei dem unser Vater einmal eine besonders edle Aktentasche als Preis mit nach Hause brachte. Auch das Jagdkollektiv Dannenwalde war regelmäßig zu Gast – ob nach erfolgreicher Jagd oder einfach nur zum geselligen Beisammensein.
Und wer erinnert sich nicht an das Landkino? In den 50er und 60er Jahren verwandelte sich der Saal alle zwei Wochen in ein kleines Lichtspielhaus. Die Kinder schauten nachmittags, die Erwachsenen abends. Ein Filmvorführer reiste mit einem „Hühnerschreck“ (Fahrrad mit Hilfsmotor) an, im Gepäck: eine mobile Kinoanlage und ein ganzer Abend voller Geschichten. Wir Kinder halfen begeistert beim Aufbau und Umspulen – bevor der Projektor ratternd loslegte.
Einmal pro Woche rollte das Bierauto an – für frischen Nachschub war gesorgt.
Die Gaststätte Willi Bock war mehr als ein Wirtshaus. Sie war ein Treffpunkt, ein Zentrum des Dorflebens, ein Ort für Erinnerungen. Und für viele: ein zweites Zuhause.